Werden Fotos nun von 3D-Produktvisualisierungen abgelöst?

Kristian, 15. März 2021




3d-Produktvisualisierung_vs_Fotografie

Vor 150 Jahren hat die Fotografie die Malerei verdrängt. Nun werden wiederum immer mehr Fotos von 3D Produktvisualisierungen in der Schweiz abgelöst. Was steckt hinter dem Trend vieler Firmen ihre Produktbilder in 3D visualisieren zu lassen?

Und was sind die Chancen und Möglichkeiten von 3D Produktvisualisierungen verglichen mit herkömmlichen Packshots aus dem Fotostudio? Stimmt es, dass Produktbilder in 3D gerendert viel schneller und günstiger produziert werden können als mit herkömmlicher Fotografie? Und woher kommt die enorme Kostenersparnis bei grossen Stückzahlen und Produktpaletten trotz hoher Bildqualität?

Der Einzug von fotorealistischen Materialien in die Welt der Produktvisualisierung

Bis vor einigen Jahren waren die meisten 3D Produktvisualisierungen klar als CGI erkennbar und die Renderings hatten immer ein entfremdendes Gefühl einer computergenerierten Perfektion. Seit dem Einzug von PBR (Physically based rendering) sind die Materialien nun sehr fotorealistisch und können auch besondere Materialeigenschaften, die während dem Produktionsprozess entstehen, ebenfalls detailtreu nachempfinden, z.B. Ziehriefen in Aluminium, gebürstetes Metall oder Papierfasern auf Verpackungen.

Automation und CGI für Onlineshops und Bilddatenbbanken

Falls das Produktsortiment aus vielen verschiedene Etiketten und Verpackungen besteht und man hier gerne die Produktbilder vereinheitlichen möchte, kann 3D sehr schnell hochauflösende Bilder für Webshops und Kataloge produzieren.

So können die 3D-Modelle der Produktvisualisierungen mit beliebigen Materialien oder Farben versehen werden. Dies bietet unendlich viele Möglichkeiten für Präsentationen und auch Variationen mit neuen Texturen sind so schnell und günstig realisierbar.

Bei Verpackungen ist es sogar möglich die Texturen direkt ab Druckdaten zu generieren und es können schnell und günstig Variationen des Artwork vom Packaging, z.B. Sprachadaptionen gerendert werden und auch weitere Ansichten wie z.B. die Rückseite des Produktes. Benötigt wird hierfür nur ein Druck-PDF oder offene Indesign-Daten, denn im Gegensatz zur Fotografie sind für 3D Produktvisualisierungen keine realen Objekte notwendig, um ein fotorealistisches Abbild zu erstellen.

Professionelles Kompositing bei Produktvisualisierungen

Uhren oder Schmuck haben meist reflektierenden Oberflächen und die passende Studio-Beleuchtung mit Softboxen ist anspruchsvoll. Falls man trotz eines geringen Budgets professionelle Packshots, Bildsequenzen für Produktrotationen oder Videos benötigt, können 3D Produktvisualisierungen helfen, das Schmuckstück kostengünstig ins beste Licht zu rücken.

Auch können dank 3D Visualisierung in digitalisierten virtuellen Fotostudio-Umgebungen jederzeit Farbanpassungen, und komplizierte Korrekturen der Reflexionen im Objekt vorgenommen werden, die so in der Realität gar nicht möglich wären – garantiert staubfrei. Damit entfallen die zeitraubenden Photoshop-Retuschen, denn neben einer skalierbaren hohen Auflösung sind die 3D Renderings auch bereits freigestellt.

Weiterhin sind auch Schattierungen am Boden kontrollierbar und Farbkorrekturen und Nachbearbeitung der Produktvisualisierungen sind bereits im 3D-Setup enthalten.

Im Gegensatz zur Fotografie, welche reale Produktmuster benötigt, können fotorealistische 3D Produktvisualisierungen bereits innerhalb weniger Stunden erstellt und geliefert werden.

3D-Animationen und fortgeschrittene Kameraflüge

Videoproduktionen sind aufwändig und können schnell das Budget sprengen. Die Vorteile von 3D Animationen liegen hier bei günstigem Produktionsaufwand und vielen neuen kreativen Optionen, zum Beispiel komplexe Kameraflüge mit animierbaren Rotationsachsen und Kipp-Parametern. So ist es auch möglich interessante Details, mit exaktem Timing, als Close-up Shot zu definieren inklusive Tiefenunschärfe mit wechselnden Fokuspunkten. Ein weiteres Beispiel hierfür wären Tunnelflüge durch das Objekt hindurch – zum Beispiel bei einer Produktvisualisierung einer Uhr.

Tausende Produktvisualisierungen direkt ab Exceldaten

Oft möchten Marketingleiter gerne Ihre neuesten Produkte zeigen, haben meist aber nicht das Budget, um Tausende von Produkten fotografieren zu lassen. Insbesondere im Chemie- und Pharma-Segment sind daher 3D Produktvisualisierungen eine beliebte Option, um die Bildproduktion zu automatisieren und auch grosse Produktpaletten kosteneffizient zu präsentieren.

Bei einer grossen Anzahl von Bildern empfiehlt sich eine vollautomatische 3D-Konfiguration. So können Labels, Etiketten, Füllhöhen und Materialvariationen anhand von Exceldaten gerendert werden, inklusive Metatags für den einfachen Import in Produkt- und Bilddatenbanken oder Image-SEO in Onlineshops. Nach dem Import der Exceldaten werden zunächst Qualitätsprüfungen an den Daten durchgeführt (z.B. Klammerfehler in chemischen Formeln). Dann werden die Texturen (Labels) generiert und die Produktvisualisierungen gerendert. Auch hochvolumige Aufträge können so entsprechend skaliert werden und viele 3D-Studios bieten hier interessante Rabatt-Staffelungen.

Die Zukunft der Packshots

Einerseits vermisse ich die ruhigen Nachmittage in Fotostudios und den Augenblick, wo man nach dem ermüdenden Aufbau der Lichter endlich die ersten Fotos auf dem Bildschirm sieht. Anderseits ist es auch ziemlich mühsam (und kostspielig) hunderte Packshots manuell freizustellen, zu retuschieren und den Staub wegstempeln.

Bei 3D Produktvisualisierungen kann man alle Retuschen-Arbeiten direkt ins 3D-Setup integrieren und nach einem Klick auf den Renderbutton geht’s ab in den Feierabend – mit der Gewissheit nächsten Morgen tausende fixfertige und versandbereite Produktbilder vorzufinden.